Kennst Du das Gefühl, wenn Du morgens aufwachst und sofort weißt, das wird Dein Tag? Heute war wieder so ein Tag. Um 7:40 Uhr schlage ich die Augen auf. Ich bin hell wach, die Sonne scheint durchs Fenster und ich weiß im selben Augenblick, das wird mein Tag. Nichts wird mich heute von meinem Plan abbringen können. Den letzten Tag meines 10-tätigen Trainingslagers will ich mit einer ganz speziellen Einheit krönen. Ein Marathon soll es sein. Ein Marathon im Schnee am Fuße des Riesengebirges. Sobald ich meine Langlaufskier unter die Füße spanne, durchläuft mich ein Kribbeln. Das Thermometer zeigt mir an, dass es -16 Grad sind. Alles andere hätte mich auch verwundert. Ich bin gut vorbereitet. 9 Tage habe ich auf dieses Finale hingearbeitet. Ich habe an meiner Technik des klassischen Stils gefeilt. Bergauf und bergab, Rechtskurven und Linkskurven, mit Doppelstockschub und mit diagonalen Stockeinsatz, schnell und auch locker. Ich brenne nun darauf, dass alles umzusetzen und mich ohne Handbremse richtig auszutoben.
Was gibt es Schöneres als ein Läufchen durch den nächtlichen Winterwald bei Vollmond? Das ging mir heute bei einem lockeren Dauerlauf am Abend durch den Kopf. Wie daraus eine kleine Survival-Tour mit einer großen Portion Nervenkitzel wurde, berichte ich noch ganz bewegt direkt aus dem Trainingslager im Riesengebirge.
“Das war…es war?…echt…bubelicious!!!” So kreierte ich ganz spontan ein neues Wort. Es sollte meiner Freude Ausdruck verleihen, die ich an diesem Tag auf meinen Langlaufskiern empfand. Nachdem sich das Wetter im Riesengebirge anfänglich nicht gerade von seiner besten Seite präsentiert hatte und die tief hängenden Wolken nur eine Sicht von 100 Metern erlaubten, änderte sich die Wetterlage mit zunehmenden Kaltluftnachschub aus dem Osten spürbar. Das brachte meine Emotionen zum Überschäumen.
Seit den frühen Morgenstunden schneite es erneut. Schnell waren alle Straßen bedeckt. Ganz Berlin wurde vom weißen Glanz verzaubert. Dazu wehte ein eisiger Wind. Rund 450 Laufverrückte machten sich bei diesen Bedingungen am 2. Advent auf den Weg in den Plänterwald im Bezirk Treptow. Dort hatte das ABC Zentrum zum 72. Plänterwaldlauf geladen, der seit 1977 zweimal im Jahr veranstaltet wird, und um kurz nach 10 Uhr fiel der Startschuss.
Früh am Morgen — ich hatte extra meine Laufschuhe vor die Wohnungstür gestellt — wurde ich bitter enttäuscht: Die Schuhe waren leer. Keine Schokolade, kein Marzipan. Waren die Schuhe nicht sauber genug? Hatte das Schuh-Deo versagt? Diese Fragen beschäftigten mich beim Frühstück. Seine eigene Wohnung zu haben hat eben auch Nachteile. Meine Gedanken richteten sich aber schnell auf den Höhepunkt des Tages, worauf sich mein Läuferherz schon eine Woche lang freute. Mein erster Wettkampf in der neuen Aufbauphase nach vierwöchigem Training. Der Potsdamer Laufclub (PLC) veranstalte einen Lichterpaarlauf, bei dem sich zwei Läufer 60 Minuten lang Runde für Runde abwechseln. Wer zu zweit am meisten Kilometer schafft, der hat gewonnen. Um’s Gewinnen sollte es heute aber nicht gehen — so dachte ich…
